Aufruf zum antikapitalistischen Klima-Block auf der NoG20-Demonstration am 8.Juli und zum Klima-Barrio auf dem antikapitalistischen Camp beim G20 in Hamburg

Zum G20-Gipfel in Hamburg, dem Treffen der weltweit mächtigsten Regierungen, formiert sich vielfältiger Protest und Widerstand. In den Camps wird es in den Tagen vor dem Gipfel viele Möglichkeiten zum Austausch unter den Aktivist_innen geben. Wir, die NoG20-Klimaaktion, organisieren ein Klima-Barrio auf dem antikapitalistischen Camp.
Unter der Überschrift „Grenzenlose Solidarität statt G20!“ ruft ein breites Bündnis für den 8.Juli zu einer Großdemonstration auf. Auf dieser werden wir mit einem kraftvollen antikapitalistischen Klima-Block die fortschreitende Zerstörung der Lebensgrundlagen durch den globalen Kapitalismus thematisieren – seid dabei!

 

G20, Kapitalismus?

Bei allen Differenzen sind sich die G20-Regierungen in ihrem Kernprojekt einig – die kapitalistische Profitmaschine muss am Laufen gehalten werden, koste es was es wolle. Wie üblich verkaufen sie dies mit dem gezielt irreführenden Begriff „Wachstum“ und dem Mythos, die unersättliche kapitalistische Expansion auf einem begrenzten Planeten käme angeblich „den Menschen“ zugute. In der Realität sieht das drastisch anders aus.

Die soziale Ungleichheit hat ein historisch beispielloses Maß erreicht – acht einzelne Männer besitzen mehr als die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Diese Zuspitzung zeigt sich u.a. in der weltweiten Zunahme von Prekarisierung, ganzen Regionen gesellschaftlichen Zusammenbruchs, gewaltsamen Konflikten, Flucht sowie einer Reihe dauerhafter Kriege. In verschärft unsicheren Verhältnissen eskaliert das kapitalistische Konkurrenz-Denken der „Mitte“ der Gesellschaften zum globalen Rechtsruck. Immer unverblümter zeigt sich mörderische Menschenfeindlichkeit, z.B. in der Abschottung reicher Weltregionen gegenüber Geflüchteten.

 

Klima?

Ebenso ist unübersehbar geworden, dass der Kapitalismus mit seinem strukturellen Wachstumszwang die Menschheit – und dabei zuerst den globalen Süden, der bisher viel stärker betroffen ist – auf einen umfassenden ökologischen Kollaps zusteuert:

• schon heute kommt es aufgrund des Klimawandels u.a. deutlich häufiger zu wesentlich heftigeren Extremwetter-Ereignissen, wodurch die Lebensgrundlagen von Millionen von Menschen zerstört werden;

• schon heute vollzieht sich die Überschreitung von Kipp-Punkten im Klimasystem, z.B. schmelzen bislang ganzjährig gefrorene Eismassen und der zum Vorschein kommende dunklere Untergrund nimmt mehr Sonnenwärme auf, die wiederum den Schwund des verbliebenen Eises beschleunigt, ein Teufelskreis entsteht;

• schon heute haben der Verlust von Biodiversität sowie die globale Zerstörung von Süßwasservorkommen, Ackerböden, Wäldern und ozeanischen Ökosystemen verheerende Dimensionen erreicht.

Verursacht wurde der bisherige Klimawandel vor allem von den reichen Ländern des Nordens. Auf individueller Ebene gilt: Je ärmer und machtloser Menschen sind, um so weniger haben sie durchschnittlich zu den Zerstörungen beigetragen und zugleich können sie sich tendenziell um so weniger vor den Folgen dieser Zerstörungen schützen.

 

Personal: Klimawandel-Leugner, Braunkohle-Weltmeister*innen, Autokraten, usw.

Die Länder der G20 stehen für über 80% der jährlichen globalen Treibhausgase. Ihre Regierungen subventionieren fossile Brennstoffe gegenwärtig pro Jahr direkt mit rund 450 Milliarden US-Dollar. Die Kosten für Sozial- und Steuersysteme der Gesundheits- und Umweltschäden durch fossile Brennstoffe sind dabei noch nicht „eingepreist“. Eine Studie des IWF veranschlagt diese auf weitere 4,5 Billionen Dollar. Wobei zweifelhaft ist, ob z.B. vorzeitige Todesfälle durch Feinstaub aus Kohleverbrennung oder gar der Klimawandel als Ganzes überhaupt sinnvoll monetär bewertet werden können bzw. sollten.

Klar ist: Beim G20-Gipfel in Hamburg treffen sich die staatlicherseits Hauptverantwortlichen für den Klimawandel und unzählige weitere Zerstörungen. Trump und Co leugnen den menschengemachten Klimawandel. Auch wenn sich Deutschland wie zuletzt beim G7 Gipfel auf Sizilien dagegen als angeblich „grüner“ Vorreiter darzustellen versucht, ist es immer noch Braunkohle-Weltmeister und wie alle anderen G20-Staaten auch sonst weit entfernt davon, tatsächlich ernsthaften Klimaschutz zu betreiben.

Doch bei aller individueller Schuld und autoritärer Macht sind die Regierenden der G20 letztlich nur das aktuelle politische Personal, das die „Logik“ und innere DNA des herrschenden Systems vollzieht: aus Kapital muss mehr Kapital werden, alles Weitere – Menschen, Zukunft, reale Lebensqualität, das Leben anderer Spezies, etc. – ist zweitrangig. Auch ein „grün“ modernisierter Kapitalismus unterläge dieser „Rationalität“.

 

Lebenslüge „Grüner Kapitalismus“

Die vielbeschworene Entkoppelung von Kapitalvermehrung und Naturverbrauch hat sich in der Praxis längst als unrealistisch erwiesen. Auch grüne Technologien verbrauchen Ressourcen. Das Problem des unbegrenzten Wirtschaftswachstums auf einem begrenzten Planeten wird damit also nicht gelöst. Relative Effizienzgewinne werden durch gesamtwirtschaftliche Ausdehnung und Bumerang-Effekte mehr als aufgehoben. Und auch erneuerbare Energien sind nicht vollständig CO2-neutral und heizen bei immer weiter steigendem Energieverbrauch den Klimawandel weiter an. Die Begrenztheit von Basis-Ressourcen wie Wasser, Ackerböden, nutzbaren Flächen als auch von Schlüssel-Rohstoffen (wie z.B. spezifischen Metallen) lässt sich nicht wegzaubern. Etliche vermeintlich „grüne“ Technologien gehen ihrerseits mit verheerenden sozial-ökologischen Zerstörungen einher, vor allem in Ländern des globalen Süden. So z.B. beim großflächigen Anbau von Energiepflanzen für „Bio“-Diesel.

Ungeachtet all dessen erfüllt das Luftschloß eines „grünen“, angeblich enkeltauglich-zukunftsfähigen Kapitalismus eine wichtige ideologische Funktion: im Großen und Ganzen kann damit alles so bleiben, wie es ist und kapitalistische Ungleichheits- und Machtverhältnisse wie auch imperiale Lebensweisen müssen nicht in Frage gestellt werden. Die damit einhergehende Realitätsverweigerung ist enger verwandt mit einer „Neben-und-nach-uns-die-Sintflut“-Ideologie als das vermeintlich „progressive“ Image vieler „grüner“ Kapitalismus-Fans auf den ersten Blick vermuten lässt.

 

Überwinden, organisieren, umverteilen, transformieren, revolutionieren, verändern!

Der Kapitalismus ist mit vielen weiteren Herrschaftsformen in gegenseitig stärkender Art und Weise verknotet. Diese Gesamtheit der verschiedenen Herrschaftsverhältnisse gilt es, so schnell wie möglich zu überwinden und gemeinsam eine solidarische Wirtschaft zu organisieren, die nicht mehr strukturell auf fortwährendes „Wachstum“ angewiesen ist. Nur so können wir die dringliche Umverteilung materieller Güter sowie die ebenso dringliche sozial-ökologische Transformation unserer jetzigen destruktiven, imperialen Produktions- und Lebensweisen hinbekommen.

 

G20 den Stecker ziehen! Globale Solidarität feiern!

Wir müssen jetzt aktiv werden um die 1,5 °C Marke real durchzusetzen,  die insbesondere Menschen im Globalen Süden fordern. In Zeiten, in denen aggressive Lobbyist*innen oder gar Klimawandel-Leugner*innen in Regierungspositionen versuchen noch  möglichst lange Profite mit fossilen Energien zu machen, müssen wir mehr denn je mit einer kämpferischen Bewegung von unten für Klimagerechtigkeit dagegenhalten!

Unsere Solidarität gilt insbesondere den Menschen im Globalen Süden und ihrem Widerstand. Zum Beispiel dem Widerstand in Kolumbien gegen die buchstäbliche Vernichtung ganzer Landschaften durch gigantische Kohletagebaue. Dieser Widerstand wird mit brutalen Mitteln bis hin zu Mord niedergeknüppelt. Vergleichbares geschieht an vielen Orten weltweit im Globalen Süden. Dagegen ist Widerstand nicht nur legitim, sondern notwendig.

 

Campen, Diskutieren, Demonstrieren!

Kommt zum Klimablock auf der NoG20-Demo am 8.7., denn echter Klimaschutz ist noch nie so notwendig gewesen. Dort werden wir zeigen, dass wir von den G20 nichts erwarten. Es braucht ein grundsätzlich anderes Wirtschaftssystem, das von unten erkämpft werden muss.
Außerdem wollen wir mit euch diskutieren, uns gegenseitig weiterbilden und überlegen, wie unsere nächsten Aktionen aussehen könnten. Dafür wird es auf dem Klima-Barrio viele Gelegenheiten geben. Schlagt eure Zelte bei uns auf, sprecht mit euren Nachbar_innen und nehmt an unseren Workshops und Diskussionsveranstaltungen teil!

 

Stärkt die wachsende Klimagerechtigkeitsbewegung weiter

Anlässlich des G20 Gipfel liegt unsere Schwerpunkt auf Diskussion Bildung und Demonstration. Damit allein werden wir den Klimawandel aber nicht stoppen. Kommt also auch zu den vielfältigen Aktionen der Klimabewegung, die in diesem Jahr europaweit viele Camps und Blockaden gegen Tagebaue, Kohlekraftwerke, Autobahnen oder Flughäfen organisiert.

 

übrigens:

Kapitalismus ist kein Naturgesetz! Wir Menschen können auch anders! Wir finden uns nicht ab mit Wahnsinn und Zerstörung. Wir bestehen auf eine Zukunft der Solidarität, Schönheit, Sinn und Freude!
Wir bestehen auf ein gutes Leben für Alle! Unser Block wird ein vielfältiges und buntes Zeichen gelebter Solidarität sein.

 

Erfahrt mehr unter:
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